Warum fällt es uns manchmal so schwer, Grenzen zu setzen, für unsere Bedürfnisse einzustehen oder einfach wir selbst zu sein?
Vielleicht kennst du das: Du möchtest eigentlich Nein sagen, sagst aber trotzdem Ja. Du versuchst, es allen recht zu machen, übernimmst Verantwortung und stellst deine eigenen Bedürfnisse hinten an.
Obwohl du längst weißt, dass dir dieses Verhalten nicht guttut, fällt es dir schwer, etwas daran zu verändern.
Warum ist das so?
Die Antwort liegt häufig tiefer, als wir zunächst vermuten. Denn viele unserer heutigen Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster haben ihren Ursprung in frühen Beziehungserfahrungen.
Genau hier setzt das Neuroaffektive Beziehungsmodell (NARM™) an.
Was ist NARM?
NARM steht für NeuroAffective Relational Model, auf Deutsch: Neuroaffektives Beziehungsmodell.
Es handelt sich um einen körperorientierten und beziehungsorientierten Ansatz, der von Dr. Laurence Heller entwickelt wurde und sich insbesondere mit den Auswirkungen früher Beziehungserfahrungen und Entwicklungstraumata beschäftigt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wir durch unsere frühen Erfahrungen geprägt wurden und welchen Einfluss diese Prägungen noch heute auf unsere Beziehung zu uns selbst und anderen haben.
Dabei geht es nicht darum, ausschließlich in der Vergangenheit nach Ursachen zu suchen.
Vielmehr richtet NARM den Blick auf das Hier und Jetzt:
Wie beeinflussen früh erlernte Überlebensstrategien heute dein Denken, Fühlen und Handeln – und was hindert dich daran, so zu leben, wie du es dir eigentlich wünschst?
Warum wir schon als Kinder bestimmte Verhaltensmuster entwickeln
Als Kinder sind wir auf die Verbindung zu unseren wichtigsten Bezugspersonen angewiesen.
Wir brauchen Sicherheit, Zuwendung, Verständnis und das Gefühl, mit unseren Bedürfnissen und Emotionen willkommen zu sein.
Doch nicht immer können unsere Bezugspersonen diese Bedürfnisse ausreichend erfüllen.
Vielleicht hast du früh gelernt, dass du besonders lieb und angepasst sein musst, um Anerkennung zu bekommen.
Vielleicht war es wichtig, stark zu sein und keine Schwäche zu zeigen.
Oder du hast erfahren, dass deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse weniger Raum bekommen als die anderer Menschen.
Um mit solchen Situationen zurechtzukommen und die Verbindung zu unseren Bezugspersonen aufrechtzuerhalten, entwickeln wir unbewusst bestimmte Anpassungs- und Schutzstrategien.
Diese Strategien sind zunächst sinnvoll. Sie helfen uns, mit schwierigen Umständen umzugehen.
Was uns als Kind geschützt hat, kann uns als Erwachsene jedoch daran hindern, ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben mit gesunden Beziehungen zu führen.
Wie sich frühe Prägungen im Erwachsenenleben zeigen
Vielleicht erkennst du dich in einem oder mehreren dieser Muster wieder:
- Du möchtest es allen recht machen: Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst, und hast Schwierigkeiten, deine eigenen Grenzen zu vertreten.
- Du stellst hohe Ansprüche an dich selbst: Du hast das Gefühl, immer etwas leisten oder beweisen zu müssen, um wertvoll zu sein.
- Du übernimmst zu viel Verantwortung: Du fühlst dich für das Wohlbefinden anderer verantwortlich und verlierst dabei dich selbst aus dem Blick.
- Du unterdrückst deine Gefühle: Es fällt dir schwer, Wut, Traurigkeit oder andere Emotionen zuzulassen und auszudrücken.
- Du zweifelst häufig an dir selbst: Obwohl du im Außen erfolgreich bist, fühlst du dich innerlich unsicher oder nicht gut genug.
- Du sehnst dich nach Nähe und hast gleichzeitig Angst davor: Beziehungen können sich widersprüchlich, anstrengend oder unsicher anfühlen.
Diese Verhaltensweisen entstehen nicht zwangsläufig durch ein einzelnes belastendes Erlebnis.
Häufig entwickeln sie sich durch wiederkehrende Erfahrungen in unseren frühen Beziehungen.
Dabei ist wichtig zu verstehen: Nicht jedes dieser Muster bedeutet automatisch, dass ein Entwicklungstrauma vorliegt.
Entscheidend ist, welche Erfahrungen du gemacht hast und wie sie dich bis heute beeinflussen.
Was bedeutet Entwicklungstrauma?
Wenn wir an Trauma denken, haben wir häufig schwere Unfälle, Gewalt oder andere einschneidende Erlebnisse vor Augen, die einen Schock im System hinterlassen.
Doch belastende Erfahrungen können auch über einen längeren Zeitraum entstehen – insbesondere dann, wenn wichtige emotionale und zwischenmenschliche Bedürfnisse in der Kindheit wiederholt nicht ausreichend erfüllt werden.
Im Zusammenhang mit NARM sprechen wir dabei von Entwicklungstrauma.
Entwicklungstraumatische Erfahrungen können beispielsweise entstehen, wenn Kinder dauerhaft emotionale Unsicherheit, fehlende Zuwendung, starke Anpassungsanforderungen oder mangelnde Unterstützung erleben.
Das Besondere daran:
Viele Menschen können sich an keine außergewöhnlich schlimme Kindheit erinnern.
Vielleicht war materiell alles vorhanden. Vielleicht haben die Eltern ihr Bestes gegeben.
Und trotzdem können bestimmte Erfahrungen dazu geführt haben, dass wir den Zugang zu unseren eigenen Bedürfnissen, Gefühlen oder Grenzen eingeschränkt haben.
Denn entscheidend ist nicht allein, was passiert ist, sondern auch, wie wir diese Erfahrungen erlebt und verarbeitet haben.
Warum es nicht ausreicht, seine Muster nur zu verstehen
Vielleicht hast du dich bereits intensiv mit deiner Persönlichkeit beschäftigt.
Du hast Bücher gelesen, Podcasts gehört oder dich mit deiner Kindheit auseinandergesetzt.
Du weißt inzwischen ziemlich genau, warum du bestimmte Dinge tust.
Und trotzdem passiert es immer wieder.
Du möchtest eine Grenze setzen – und bekommst Schuldgefühle.
Du möchtest dich entspannen – aber innerlich bleibt die Anspannung.
Du möchtest selbstbewusster auftreten – und zweifelst im entscheidenden Moment wieder an dir.
Etwas zu verstehen bedeutet nicht automatisch, es auch verändern zu können.
Denn unsere Schutzstrategien bestehen nicht nur aus bewussten Gedanken.
Sie können tief mit unserem emotionalen Erleben, unserem Körper und unseren Beziehungserfahrungen verbunden sein.
Deshalb berücksichtigt eine NARM-informierte Begleitung nicht nur das, was du über dich denkst, sondern auch, was du im gegenwärtigen Moment emotional und körperlich erlebst.
Wie funktioniert eine NARM-informierte Begleitung?
Ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Ansätzen liegt darin, dass wir nicht ausschließlich auf die Vergangenheit schauen.
Stattdessen erforschen wir gemeinsam, wie sich deine bisherigen Erfahrungen heute auf dich auswirken.
Dabei stehen deine gegenwärtigen Herausforderungen, deine inneren Konflikte und deine persönlichen Wünsche im Mittelpunkt.
Vielleicht möchtest du lernen, Grenzen zu setzen, ohne dich schuldig zu fühlen.
Vielleicht möchtest du dich aus dem ständigen Leistungsdruck befreien.
Oder du wünschst dir, wieder mehr Nähe zuzulassen und dich in Beziehungen sicherer zu fühlen.
In einer NARM-informierten Begleitung geht es darum, deine bisherigen Schutzstrategien mit Neugier und Mitgefühl zu betrachten.
Nicht, um sie zu verurteilen oder möglichst schnell loszuwerden.
Sondern um zu verstehen, welche Funktion sie einmal hatten und weshalb sie heute noch aktiv sind.
Dabei können auch widersprüchliche innere Bedürfnisse sichtbar werden.
Beispielsweise der Wunsch nach Nähe und gleichzeitig die Angst, verletzt zu werden.
Oder der Wunsch nach Selbstbestimmung und gleichzeitig die Sorge, andere Menschen zu enttäuschen.
Wenn wir beginnen, diese inneren Zusammenhänge bewusster wahrzunehmen, können neue Handlungsmöglichkeiten entstehen.
Es geht nicht darum, gegen dich selbst zu kämpfen, sondern dich selbst besser zu verstehen und wahrnehmen zu können.
Muss ich dafür meine Kindheit noch einmal durchleben?
Nein.
Ein wichtiger Grundgedanke von NARM ist, dass Veränderung nicht voraussetzt, belastende Kindheitserfahrungen immer wieder intensiv zu durchleben.
Natürlich können frühere Erfahrungen im Coaching eine Rolle spielen.
Entscheidend ist jedoch, wie sich diese Erfahrungen heute zeigen und welche Möglichkeiten du im gegenwärtigen Moment hast, anders mit dir selbst umzugehen.
Die Begleitung orientiert sich dabei an deinen individuellen Bedürfnissen, deinem Tempo und deinen persönlichen Grenzen.
Du musst nichts erzwingen oder beweisen.
NARM-informiertes Coaching in meiner Praxis für emotionale Gesundheit
In meiner Coaching-Praxis in Arnsberg im Sauerland und online verbinde ich verschiedene Ansätze aus dem Emotionscoaching, der Körperarbeit und der Bewusstseinsarbeit.
Durch meine Weiterbildung in NARM für helfende Berufe fließen auch die Grundprinzipien des Neuroaffektiven Beziehungsmodells in meine Arbeit ein.
Besonders wichtig ist mir dabei eine traumasensible Haltung.
Das bedeutet, dass wir deine individuellen Erfahrungen, Schutzstrategien und Grenzen respektieren und gemeinsam einen Rahmen schaffen, in dem du dich mit deinen Themen auseinandersetzen kannst.
Ich arbeite nicht nach einem starren Konzept.
Stattdessen schauen wir gemeinsam, was dich gerade beschäftigt, welche Zusammenhänge erkennbar werden und was dich in deiner persönlichen Entwicklung unterstützen kann.
Mein Ziel ist es, dich dabei zu begleiten, deine eigenen Bedürfnisse und Grenzen wieder bewusster wahrzunehmen, alte Muster zu hinterfragen und neue Möglichkeiten im Umgang mit dir selbst zu entdecken.
Denn manchmal liegt die größte Veränderung nicht darin, noch mehr an sich zu arbeiten.
Sondern darin, sich selbst endlich besser zu verstehen.
Fazit: Du bist mehr als deine erlernten Schutzstrategien
Viele Verhaltensweisen, unter denen wir heute leiden, hatten ursprünglich eine wichtige Funktion.
Sie haben uns geholfen, uns anzupassen, Beziehungen aufrechtzuerhalten oder mit schwierigen Situationen umzugehen.
Doch wir müssen nicht für immer an diesen Mustern festhalten.
Wenn wir beginnen, unsere inneren Zusammenhänge zu verstehen und uns selbst mit mehr Bewusstsein und Mitgefühl zu begegnen, können neue Möglichkeiten entstehen.
Für einen bewussteren Umgang mit unseren Emotionen.
Für gesündere Beziehungen.
Und für ein Leben, das sich weniger nach Funktionieren und mehr nach uns selbst anfühlt.
Weil du mehr bist als dein Funktionier-Modus.
Du möchtest deine eigenen Muster besser verstehen?
Wenn du dich in diesen Beschreibungen wiedererkennst und spürst, dass du etwas verändern möchtest, begleite ich dich gerne auf deinem Weg.
In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst, was dich beschäftigt und ob mein Coaching der passende Rahmen für dich ist.
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Hinweis: Meine NARM-informierte Coaching-Begleitung ist ein Angebot zur persönlichen Entwicklung und ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung.